Erste unabhängige Beratungsstelle für Menschen mit Unterstützungsbedarf in Darmstadt eröffnet

In der Nähe des Darmstädter Hauptbahnhofs, in der Rheinstraße 67, gibt es – gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales – seit Oktober 2018 die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB). Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die persönliche Erfahrungen mit Behinderungen haben, stehen dort beratend zur Seite und vermitteln auch an andere Stellen weiter. Sie sind Eltern von Kindern mit Hilfebedarf, haben selbst körperliche Einschränkungen oder Erfahrungen mit psychischen Problemen.

Diese sogenannte „Peer-to-Peer-Beratung“ bietet Unterstützung auf Augenhöhe, denn die Ratsuchenden treffen auf Menschen, die aus ihrem eigenen Erleben heraus verstehen, welche Fragen und Probleme im Alltag von Menschen mit Beeinträchtigungen aufkommen können, und deshalb in der Lage sind, passende Antworten oder Tipps zu geben. Zudem kennen sie die Tücken im „Paragrafen-Dschungel“ – wie es Sozialdezernentin Barbara Akdeniz bei der Eröffnungsfeier der EUTB formuliert hat – und sind „in dieser sehr anspruchsvollen Aufgabe erfahrene Ansprechpartnerinnen und -partner für alle, die Rat suchen.“

„Das, was Sie auszeichnet, ist, dass Sie nah dran sind, an den Menschen. Der Peer-to-Peer-Ansatz ist deshalb so gut, da Sie wissen, wovon Sie sprechen“, hebt Akdeniz hervor und weist gleichzeitig auf die besondere Verantwortung in der Teilhabeberatung hin. „Wir müssen Menschen mit Behinderungen ganz klar sagen, dass sie Rechte haben. Noch wichtiger ist es aber, dass die bestehenden Angebote auch bei ihnen ankommen und sie sich nicht aus falscher Scham oder Unwissenheit scheuen, darauf zuzugreifen.“

„Gute Beratung“, unterstreicht in diesem Zusammenhang Ulrike Hestermann vom Verein GleichxAnders, der das bundesweite Angebot nach Darmstadt geholt hat, „fußt auf einer soliden Informationslage.“ Daher, so das Vorstandsmitglied, laute einer der Arbeitsgrundsätze des EUTB-Teams für Darmstadt und die Region Darmstadt-Dieburg, dass ein „Angebot erst dann gut ist, wenn Ratsuchende davon wissen.“ Dazu gehöre auch die Kenntnis darüber, dass die Beratung kostenlos, neutral und unabhängig sei sowie allen Menschen mit Behinderungen, schwer Erkrankten sowie Verwandten und Betreuerinnen oder Betreuern offen stehe.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, erläutert Marianne Koch, die sich ebenfalls im Vorstand von GleichxAnders engagiert, stellten die neuen barrierefreien Räume im Landratsamt dar. Anders als der alte Standort, an dem die unabhängige Beratungsstelle bereits im März 2018 ihre Arbeit aufgenommen hat, ist das Gebäude in der Rheinstraße nicht nur für jede und jeden unproblematisch zugänglich, sondern auch zentral gelegen. „Dennoch“, so Ulrike Hestermann, „bieten wir auch Sprechstunden vor Ort an, um auf Menschen mit eingeschränkter Mobilität einzugehen.“

„Diesen Ansatz, Menschen mit Beeinträchtigungen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und sie in ihrer Entwicklung zu stärken“, so die zuständige Projektleiterin Elke Rahmann von der Software AG – Stiftung aus Darmstadt, „haben wir gerne mit unterstützt. Es ist schön, zu sehen, wie diese wichtige Informations- und Beratungsarbeit mit drei Vollzeitstellen auf professionellen Beinen steht und weiterhin von GleichxAnders ehrenamtlich begleitet wird.“

Eltern von Kindern mit geistiger Behinderung hatten den Verein 2011 gegründet, um für ihre Kinder Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des geschützten Rahmens einer Werkstatt zu schaffen. Aus dieser Initiative ist unter anderem auch die Idee für ein Hotel entstanden, in dem mit fachmännischer Unterstützung, Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten. Ein Vorhaben, an dem der Verein auch weiterhin arbeitet.